Literatur

Viel wurde zum Thema BSC geschreiben, aber sehen Sie in den Unterordnern selbst. Die Literatur-Liste ist ziemlich lang, aber nicht alles ist wirklich bewegend – schauen sie selbst rein. Die beiden Download-Bereiche geben Ihnen die Möglichkeit, kostenlos zu schnuppern.

Vorab ein Interview von GüntherLehmann, Haufe Mediengruppe, zur Entwicklung und Nutzung der BSC:

Dank der Balanced Scorecard können Unternehmen die Krise als Chance für Wachstum und Entwicklung nutzen (Das Interview führte Günther Lehmann von der Haufe Mediengruppe):

Die BSC-Experten Friedag und Schmidt im Interview: Rückblick auf 10 Jahre BSC-Erfahrung – die Perspektiven in der aktuellen Wirtschaftslage

Die Idee der Balanced Scorecard (BSC), eines „ausgewogenen Kennzahlensystems“, wurde 1992 von Robert Kaplan und David Norton erarbeitet. Seitdem hat sie sich zu einem der führenden Managementsysteme zur strategischen Unternehmenssteuerung entwickelt. In Deutschland setzte sie sich in der Praxis ab 1999 richtig durch. In einem Interview blicken Herwig Friedag und Walter Schmidt auf 10 Jahre Erfahrung mit der BSC zurück und bewerten ihre Bedeutung in der aktuellen wirtschaftlichen Lage.

Die Experten
Dr. Herwig Friedag und Dr. Walter Schmidt sind bekannt als die deutschen „Balanced-Scorecard-Experten“. In diesem Jahr können sie auf zehn Jahre Beratungs- und Trainingserfahrung mit der BSC zurückblicken. Beide sind auch in der Controller Community sehr aktiv: Walter Schmidt ist Vorstandsmitglied, Herwig Friedag ist Leiter des Ausschusses für Öffentlichkeitsarbeit im Internationalen Controller Verein.

Frage:
Vor 10 Jahren wurde Ihr Buch “Balanced Scorecard – Mehr als ein Kennzahlensystem” sofort nach Erscheinen im Oktober 1999 zum Bestseller. Wie haben Sie diesen Start erlebt?

Friedag:
Wir waren selber überrascht, haben aber sehr schnell realisiert, dass unsere Philosophie, die BSC als ein Management-System zur Entwicklung und Umsetzung von Strategien zu betrachten, offensichtlich den Nerv der Zeit getroffen hat. Es war sehr erfreulich für uns, wie viele Menschen bemerkt haben, dass es bei der BSC nicht vordergründig um Kennzahlen geht, sondern um das Miteinander der Menschen beim Erarbeiten strategischer Ziele und deren Realisierung. Gleichzeitig bemerken wir dennoch immer wieder, dass gerade große Beratungs- und Software-Unternehmen die BSC als ein weiteres, oftmals nicht einmal strategisch ausgerichtetes Kennzahlensystem interpretieren. Da wird dann nach einem ausbalancierten Satz von Kennzahlen gesucht, die man in „die“ vier Perspektiven „einordnen“ kann, ohne die Intention von Kaplan/Norton „translate strategy into action“ tatsächlich umzusetzen.

Schmidt:
Dabei wird zudem oft vergessen, dass „translate“ im doppelten Sinne gemeint ist: Übersetzen in konkrete und an konkrete Verantwortung gebundene Aktionen sowie – und dass ist enorm wichtig – Übersetzen in die Sprache der Akteure. Die BSC muss für alle Beteiligten verständlich, anwendbar und bedeutsam sein.

Frage:
Sie haben Ihr BSC-Konzept im Laufe der Zeit angepasst. Was war die wesentliche Veränderung?

Schmidt:
Zum einen die stärkere Verzahnung von Entwicklung und Umsetzung der Strategie. Zum anderen aber auch die konsequente Einbeziehung aller Unternehmensbereiche. So entstand unser Konzept „Management 2.0“, das wir in unserem kürzlich erschienen Buch „Management 2.0 – Kooperation – Der entscheidende Wettbewerbsvorteil“ anhand eines durchgängigen praktischen Beispiels beschrieben haben.

Frage:
Wie haben sich Ihre Kunden aus der Anfangszeit entwickelt? Welcher Anteil arbeitet noch mit der BSC? Wie erfolgreich sind die Unternehmen heute?

Friedag:
Wir wollen und können nicht mit „Erfolgsgeschichten“ von 95% dienen. Die BSC im Sinne von Kaplan und Norton erfordert viel Kraft und Konsequenz und einen systematischen, auch kulturellen Wandel. Das schüttelt niemand aus dem Ärmel! Damit sind viele Konflikte verbunden, die nicht immer positiv ausgehen. Und man braucht einen langen Atem, der insbesondere in Unternehmen mit häufigen Führungswechseln und einer eher befehlsgeprägten Kultur nicht wirklich vorhanden ist. Wer es aber schafft, dabei zu bleiben – und das können wir glücklicherweise bei einer Vielzahl unserer Kunden beobachten – der hat die Chance, sein Unternehmen nachhaltig am Markt zu positionieren. Viele haben dies in der Krise bewiesen.

Frage:
Auf unserem Portal „Controllerwissen“ ist “Balanced Scorecard” immer noch einer der meistgesuchten Begriffe. Welche Rolle spielt die BSC aktuell für die Unternehmensführung, gerade auch jetzt in der Wirtschaftskrise?

Schmidt:

Gerade mittelständisch geprägte Unternehmen, die nicht so sehr auf kurzfristige Renditen schauen sondern eher auf ihre nachhaltige Positionierung im Markt, haben in den letzten zwei drei Jahren verstärkt die BSC als ein wichtiges Führungsinstrument entdeckt. Wir können beobachten, dass die intensive Beschäftigung mit der BSC und auch ihrer Weiterführung durch Management 2.0 die Unternehmen in die Lage versetzt, sich besser als andere auf die Zukunft einzustellen:
* Durch die Einbeziehung aller relevanten Interessengruppen und deren Perspektiven in den Strategieprozess erhalten sie ein gutes Bild vom Umfeld, in das sie eingebunden sind.
*  Diese Unternehmen haben gelernt, das heutige TUN aus den Zielen für die Zukunft abzuleiten und so ein Gefühl zu entwickeln, für die Dinge, die auf uns zukommen.
*  Die BSC befähigt das Management im Umgang mit Frühindikatoren; dadurch sind sie eher in der Lage, Trendänderungen wahrzunehmen und darauf zu reagieren.
*  Der Umgang mit Frühindikatoren fördert auch die Bereitschaft, redundante Strukturen zu schaffen bzw. zu erhalten, mit denen härtere Zeiten besser zu überstehen sind. Wir beobachten daher bei fast allen unseren Kunden, dass sie stärker durch die „Krise“ kommen, als ihre Wettbewerber. Dank der Balanced Scorecard können diese Unternehmen die „Krise“ als Chance für Wachstum und Entwicklung nutzen.
*  Die redundanten Strukturen schließen auch Unabhängigkeit als einen wesentlichen Wert ein – Unabhängigkeit vor allem von den Banken, aber auch von zu wenigen Kunden oder Lieferanten. Auch das stärkt die Position der Unternehmen in harten Zeiten.

Frage:
Wie sehen Sie die Zukunft der BSC?

Friedag:
Die Zukunft der BSC ist zwiespältig. Auf der einen Seite haben viele Menschen die Erfahrung erlebt, dass unter dem Namen „BSC“ mit viel Aufwand ein weiteres Kennzahlensystem installiert wurde, mit dem das System von „Befehl und Gehorsam“ mit seinen Vorgaben und Kontrollen noch stärker als Pressions-Instrument perfektioniert wurde. Für diese Menschen ist „Balanced Scorecard“ ein „Unwort“. Hier finden wir ein „verbranntes Terrain“ vor. Auf der anderen Seite beginnen viele Menschen gerade jetzt zu realisieren, dass sich die BSC als ein hervorragendes Instrument nutzen lässt, um das Unternehmen auf nachhaltiges Wirtschaften und einen neuen Führungsstil – also im Sinne von mehr Kooperation, von Management 2.0 – auszurichten. Hier trifft die BSC – ganz im Sinne von Kaplan und Norton – immer wieder auf Begeisterung. Deshalb hat sie für diese Menschen eine große Zukunft.

Schon heute nutzen nach Studien der WHU – Otto Beisheim School of Management ca. 25% der Unternehmen die BSC. Einige davon werden dieses Instrument wieder sein lassen, weil sie zur ersten Gruppe gehören. Die anderen, insbesondere mittelständisch geprägte Unternehmen aber werden die BSC als einen festen Bestandteil ihres Managements weiter entwickeln.